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Vergiften oder Kommunizieren? - Druckversion

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Vergiften oder Kommunizieren? - Peter Nick - 22.02.2019

Unsere Arbeiten am Esca Syndrom deuten immer mehr darauf hin, dass wir generell darüber nachdenken sollten, ob unsere typische Strategie, nämlich die Organismen im Weinberg mit möglichst wenig Kollateralschäden zu vergiften, der Weisheit letzter Schluss ist. Beim Esca Syndrom kommen die entsprechenden Pilze auch in gesunden Rebstöcken vor, sogar in einer ähnlichen Zusammensetzung. Dennoch bleiben sie "friedlich". Wenn Sie wahrnehmen, dass ihre Wirtspflanze geschwächt ist (etwa durch eine lang anhaltende Sommerdürre wie im Vorjahr), schalten sie um ("Die Ratten verlassen das sinkende Schiff"), bringen ihren Wirt durch Toxine um und entziehen ihm den verbliebenen Rest an Energie, um zu sporulieren und sich so das Weite zu suchen.

Wir sollten daher vielleicht mehr darüber forschen, welche chemischen Signale zwischen Wirt und Pathogen ausgetauscht werden. Das Esca Syndrom hat vielleicht etwas mit dieser Kommunikation zu tun. Wenn wir diese Signale kennen und verändern können, können wir vielleicht auch verhindern, dass der Pilz von einem harmlosen Mitesser zu einem üblen Killer wird.

Auf dieser Idee haben wir schon im Rahmen der Interreg Wissenschaftsoffensive ein neues Projekt entwickelt. Es heißt DialogProTec und versucht, die chemischen Signale zu finden und für einen nachhaltigen Pflanzenschutz nutzbar zu machen. Beginn ist voraussichtlich im Juli dieses Jahres.


RE: Vergiften oder Kommunizieren? - Peter Nick - 07.06.2019

Am 4.7. findet das Start-Treffen für DialogProTec statt. Das Thema Signale ist vermutlich über das Esca-Syndrom hinaus von Bedeutung. Am Freitag nahm ich an einem Treffen des Karlsruher Gartenbauamts teil, wo es darum ging, dass Tausende von Straßenbäumen gefällt werden müssen, die von der Russflecken-Krankheit betroffen sind. Auch hier hat man es mit einem Pilz zu tun, der auch in gesunden Bäumen vorkommt, aber plötzlich vom harmlosen Mitesser zum schlimmen Killer wird, wenn er feststellt, dass sein Wirt geschwächt ist, etwa durch die extreme Trockenheit des Vorjahrs. Er bildet dann Toxine und bringt seinen Wirt um, macht Sex und haut ab (diese Pilze müssen Fruchtkörper bilden, um ihre Sporen aus dem Bauminnern in die Umwelt zu schaffen). Auslöser sind also (unwillentliche) Signale des Wirts, die von diesen Pilzen wahrgenommen werden. Eines dieser Signale konnten wir in meinem Labor schon identifizieren. Wir untersuchen nun, wie es gebildet wird und ob wir die Pflanze davon abhalten können, es zu bilden, um so den Pilz nicht zu reizen. Die wirkliche Ursache ist jedoch der Klimawandel, wir können nur versuchen, die Symptome abzumildern. Dafür brauchen wir Forschung.