Vergiften oder Kommunizieren?
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Unsere Arbeiten am Esca Syndrom deuten immer mehr darauf hin, dass wir generell darüber nachdenken sollten, ob unsere typische Strategie, nämlich die Organismen im Weinberg mit möglichst wenig Kollateralschäden zu vergiften, der Weisheit letzter Schluss ist. Beim Esca Syndrom kommen die entsprechenden Pilze auch in gesunden Rebstöcken vor, sogar in einer ähnlichen Zusammensetzung. Dennoch bleiben sie "friedlich". Wenn Sie wahrnehmen, dass ihre Wirtspflanze geschwächt ist (etwa durch eine lang anhaltende Sommerdürre wie im Vorjahr), schalten sie um ("Die Ratten verlassen das sinkende Schiff"), bringen ihren Wirt durch Toxine um und entziehen ihm den verbliebenen Rest an Energie, um zu sporulieren und sich so das Weite zu suchen.

Wir sollten daher vielleicht mehr darüber forschen, welche chemischen Signale zwischen Wirt und Pathogen ausgetauscht werden. Das Esca Syndrom hat vielleicht etwas mit dieser Kommunikation zu tun. Wenn wir diese Signale kennen und verändern können, können wir vielleicht auch verhindern, dass der Pilz von einem harmlosen Mitesser zu einem üblen Killer wird.

Auf dieser Idee haben wir schon im Rahmen der Interreg Wissenschaftsoffensive ein neues Projekt entwickelt. Es heißt DialogProTec und versucht, die chemischen Signale zu finden und für einen nachhaltigen Pflanzenschutz nutzbar zu machen. Beginn ist voraussichtlich im Juli dieses Jahres.
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